Kommentar der Woche

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NIKI FLIEGT NACH GESCHEITERTER ÜBERNAHME IN DIE PLEITE

von Peter Pletschacher und Co-Autor Hendrik Durst (Quelle: "Flugpost" 50, 18.12.2017)

Im Zuge der angestrebten Übernahme von Teilen der Air Berlin hat der Lufthansa-Konzern sein Übernahmeangebot für die Air-Berlin-Tochter Niki am 13. Dezember zurückgezogen. Als Grund gab die Fluggesellschaft an, dass eine schnelle Freigabe des Erwerbs durch die EU-Kommission nicht zu erwarten sei. Diese hatte trotz der von der Lufthansa gemachten Zugeständnisse klar signalisiert, dass eine Übernahme und Integration von Niki in die Eurowings Gruppe aktuell nicht genehmigungsfähig ist. Mit dem Rücktritt der Lufthansa von ihrer im Oktober getätigten Kaufzusage entfiel auch die Finanzierung des Flugbetriebs der Niki Luftfahrt GmbH. Als Konsequenz musste diese noch am selben Tag Insolvenz anmelden. Damit einher geht das vorläufige Grounding von 21 Flugzeugen des Typs Airbus A321; rund 1.000 Mitarbeiter sind kurz vor Weihnachten ohne Job. Um die 800.000 Tickets verloren ihre Gültigkeit, und bis zu 10.000 Niki-Passagiere waren im Ausland gestrandet. Für deren Rückholung bot Österreichs Verkehrsminister kurz nach dem Insolvenzantrag eine Finanzierung an. 

An dem Erwerb der anderen Air-Berlin-Tochter LG Walter hält Lufthansa nach wie vor fest. Dieser Kauf steht ebenfalls noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Zustimmung der EU-Kommission. Ähnlich wie bei der gescheiterten Niki-Übernahme will Lufthansa laut eigener Aussage auch hier auf zahlreiche Slots verzichten, um die Wettbewerbsbehörde gnädig zu stimmen. Was Niki betrifft, sind wieder andere Übernahme-Kandidaten im Gespräch: Interesse zeigen unter anderem Niki-Gründer und Formel-1-Veteran Niki Lauda sowie die im Bieterverfahren nicht berücksichtigte Condor. Die letzten Wochen des laufenden Jahres dürften also nicht nur für Lufthansa spannend werden. Der Konzern will seine Günstig-Tochter Eurowings nun aber ohnehin in den ursprünglichen Märkten von Niki wachsen lassen – nur eben aus eigener Kraft. Wirtschaftlich führe das laut Lufthansa angeblich zu einem vergleichbaren Ergebnis.