Kommentar der Woche

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AIR BERLIN-INSOLVENZ: BIETERFRIST IST BEENDET

von Peter Pletschacher und Co-Autor Hendrik Durst (Quelle: "Flugpost" 37, 18.09.2017)

Letzten Freitag, am 15. September 2017, endete die Frist zur Abgabe von verbindlichen Angeboten („Binding Offers“) für Interessenten am Erwerb der Air Berlin. Es herrschte reges Interesse an der insolventen Fluggesellschaft, sodass nun mindestens sechs Angebote vorliegen: von Lufthansa, von Niki Lauda gemeinsam mit Condor, von EasyJet, vom Berliner Logistiker Zeitfracht vom Unternehmer Utz Claassen sowie vom Nürnberger Luftfahrt-Veteran Hans Rudolf Wöhrl. Letzterer gab nochmals genaue Details zu seinen Plänen bekannt: Unter anderem will er einen Gesamtkaufpreis von bis zu 500 Mio. Euro bezahlen, sofern Air Berlin bestimmte wirtschaftliche Ziele erreicht.

Unterdessen gibt es immer mehr Stimmen, die Ängste gegenüber einer Übernahme durch die Lufthansa äußern. So sprach der Geschäftsreiseverband VDR schon jetzt von einer Tendenz zu Preiserhöhungen für Geschäftsreisende, wenn diese Air Berlin aus Angst vor Flugausfällen meiden und mit dem Konkurrenten verhandeln müssten. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hatte bereits direkt nach dem Insolvenzantrag vor noch mehr Monopolstrecken der Lufthansa gewarnt: Schon jetzt habe Deutschlands Nummer Eins bei innerdeutschen Flügen einen Marktanteil von 72 Prozent, bei Europaflügen ab Deutschland seien es 36 Prozent.

So wünschenswert es auch ist, dass deutsche Strecken und Strecken ab Deutschland in der Hand deutscher Fluggesellschaften bleiben: Monopole können sich fatal auf die Preise auswirken, besonders in der Luftfahrt. Air Berlin wird nun erst mal alle Angebote prüfen und sie am 21. September 2017 dem Gläubigerausschuss präsentieren. Ein paar Tage später wird es dann spannend: Nach der Aufsichtsratssitzung am 25. September 2017 werden die endgültigen Ergebnisse präsentiert, mit denen hoffentlich alle beteiligten Parteien zufrieden sein werden.