Kommentar der Woche

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BRAUCHT BERLIN AUCH IN ZUKUNFT ZWEI FLUGHÄFEN?

von Peter Pletschacher und Co-Autor Hendrik Durst (Quelle: "Flugpost" 29, 24.07.2017)

Trotz der geplanten Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens Berlin-Brandenburg wird auch weiterhin ein zweiter Flughafen in Berlin benötigt, so Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). „Denn die Kapazität des neuen Hauptstadtflughafens BER ist zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme – egal, wann das ist – bereits erschöpft“, sagte er dem Magazin Focus. Ursprünglich geplant war die Schließung des Flughafens Berlin-Tegel, nachdem der neue Flughafen eröffnet ist. An diesem 21 Jahre alten Beschluss halten insbesondere die Regierungen von Berlin und Brandenburg fest. Um die Debatte zu schließen, stimmen am 24. September letztlich die Berliner in einem Volksentscheid über den möglichen Weiterbetrieb Tegels ab.

Allein im ersten Halbjahr 2017 konnten die Flughäfen Schönefeld und Tegel 16,3 Millionen Passagiere verzeichnen, 2025 werden voraussichtlich rund 43 Millionen Reisende ab und nach Berlin fliegen. Die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens wurde seit knapp sechs Jahren immer wieder verschoben. Glaubt man dem regierenden Bürgermeister der Stadt Berlin, Michael Müller (SPD), ist mittlerweile auch die derzeit geplante Eröffnung in 2018 unsicher. Hingegen hält er eine Eröffnung in 2019 für möglich.

Auch Kenny Jacobs, Marketingchef bei Ryanair, sprach sich deutlich für den Erhalt des Flughafens Berlin-Tegel aus. Im gleichen Zuge kritisierte er den unterschätzten Passagierzuwachs und die falsche Kapazitätsplanung des neuen Flughafens BER. Weiterhin warf Jacobs dem Senat vor, noch „wie im vergangenen Jahrhundert“ zu denken. Seiner Ansicht nach können auch die Passagiere nicht verstehen, warum Berlin nicht wie andere Hauptstädte als großes Luftverkehrs-Drehkreuz fungiert.