Kommentar der Woche

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AIRBUS A400M: UNKONTROLLIERTES CHAOS

von Peter Pletschacher (Quelle: "Flugpost" 06, 13.02.2017)

Wenn von acht an die Luftwaffe gelieferten Airbus A400M nur sieben einsatzfähig sind, ist das eine Katastrophe – selbst wenn man den ohnehin blamablen Klarstand aller Flugsysteme ob Kampfflugzeug oder Hubschrauber mit einbezieht. Der A400M steht von Anfang an unter einem schlechten Stern – Entwicklungsverzögerung um einige Jahre, Kostenüberschreitungen, teure Nachbesserungen, schleppende Auslieferung, mangelnde Einsatzfähigkeiten – das Elend nimmt kein Ende.

Der Kontrast zum zivilen Geschäft von Airbus könnte kaum größer sein. Die Produktion steigt, es wird pünktlich ausgeliefert, die Qualität stimmt. Warum nur klappt das nicht mit der A400M? Es ja etwas Wahres dran am Seufzer eines A400M-Managers schon vor Jahren: „Wir haben geglaubt, einfach einen weiteren Airbus zu bauen, den wir am Ende nur olivgrün lackieren müssen.“ Airbus hat die Komplexität der vielen Sonderwünsche der nationalen Ministerien und Luftwaffen unterschätzt und es wurden Verträge unterschrieben, die kaum erfüllbar waren. Und jetzt kommt noch dazu: Nachlässige Produktion mit vielen Mängeln, die einfach nicht Airbus-typisch sind, es muss immer wieder nachgebessert werden. Wenn bei den zivilen Produkten von Airbus ein vergleichbares Chaos herrschen würde, wäre die Pleite programmiert.

Aber es gibt auch eine andere Seite: Die Royal Air Force hat für die Reparatur des Propellergetriebes ihrer A400M ein „quick fix“ entwickelt. Das Triebwerk muss nicht ausgebaut und zu MTU geschickt werden, die Reparatur dauert nicht viele Wochen, sondern nur vier Tage. Das beseitigt nicht das Problem, ist aber eine akzeptable Zwischenlösung der findigen Briten. Unsere Luftwaffe lehnt diese Lösung leider ab nach dem Motto: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht….